Persönlicher Rückblick auf den Kreistag am 22. Mai 2026

ELBE-ELSTER. Hat der Statusreport über das Elbe-Elster-Klinikum Klarheit gebracht? Mit dieser Hoffnung sind am Montag viele Menschen in den Kreistag gegangen. Nach knapp drei Stunden Sitzung war das Klinikum endlich an der Reihe. Ausgerechnet der Tagesordnungspunkt, auf den viele gewartet hatten.
Die Erwartungen waren hoch. Ein vom Landrat beauftragter Statusreport für 46.000 Euro sollte Orientierung schaffen. Ist das gelungen? Teilweise. Aber dennoch nicht vollständig.
Monatelang standen zwei Erklärungen nebeneinander.
Die eine: Das Klinikum steckt wegen Fehlentscheidungen, Führungsproblemen und mangelnder Kontrolle in der Krise.
Die andere: Krankenhausreform, Fachkräftemangel, Leistungsgruppen und Finanzierungsdruck würden selbst ein breit starkes Haus vor enorme Schwierigkeiten gestellt.
Vereinfacht gesagt: Führungsproblem oder Strukturproblem?
Wer gehofft hatte, die vom Landkreis beauftragte Firma Forvis Mazars würde ein schwerwiegendes Führungsversagen nachweisen, dürfte enttäuscht worden sein. Genau das hat der Bericht nicht getan. Im Mittelpunkt standen vielmehr die bekannten Folgen der Krankenhausreform, die Bündelung medizinischer Leistungen, die Ambulantisierung und die langfristige Personalgewinnung.
Natürlich müssen sich Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Gesellschafter kritischen Fragen stellen. Aber die Vorstellung, die Krise ließe sich allein auf einzelne Personen zurückführen, hat an diesem Abend keine Bestätigung gefunden.
Unverrückbar bleibt: Unser Krankenhaus hat einen Sturmschaden.
Ob das Dach an einzelnen Stellen besser hätte gebaut werden können, darf diskutiert werden. Der Sturm selbst verschwindet dadurch aber nicht.
Eine zweite Erkenntnis beschäftigt mich ebenso. Der eingeschlagene Kurs wurde nicht grundsätzlich infrage gestellt. Das Zentralklinikum wurde als medizinisch plausibel beschrieben. Die Risiken sieht Forvis Mazars vor allem bei Finanzierung, Zeitdauer und politischer Umsetzbarkeit. Gleichzeitig liegen nach Angaben des Landrates positive Signale von Land und Kostenträgern für das laufende Förderverfahren vor.
Für mich wird die Richtungsfrage deshalb immer kleiner. Die spannendere Frage lautet inzwischen:
Wie gestalten wir den Weg? Genau dort blieben wichtige Fragen offen.
Warum spielte die bestehende Lenkungsgruppe im Report praktisch keine Rolle, obwohl sie genau für eine bessere Kommunikation in diesem Veränderungsprozess geschaffen wurde? Brauchen wir tatsächlich, wie Forvis Mazars vorschlägt, einen neuen Zukunftsausschuss oder reden wir über eine Weiterentwicklung bestehender Strukturen?
Eine vertiefte Klärung war an diesem Abend leider kaum möglich. Die Referenten waren nicht vor Ort, die digitale Zuschaltung verlief nicht störungsfrei und Rückfragen konnten nur begrenzt diskutiert werden. Umso wichtiger erscheint es mir, diese Frage in den kommenden Wochen genauer zu beleuchten.
Ein weiterer Punkt: Warum wurde die Kooperation der EE-Klinikums mit der Medizinischen Universität Lausitz von den Referenten nicht erwähnt? Dabei geht es nicht nur um Forschung oder gute Kontakte. Gemeinsam mit der Universitätsmedizin wird in Elsterwerda ein neuer Pflegeschulstandort entstehen. Pflegekräfte sollen dort ausgebildet werden, wo sie später arbeiten: in Herzberg, Finsterwalde und Elsterwerda. Das ist mehr als ein Ausbildungsprojekt. Es ist ein konkreter Baustein gegen den Fachkräftemangel. Wer über Personalgewinnung spricht, sollte auch über solch zentrale Partnerschaften sprechen.
Und noch eine Frage drängt sich auf:
Wer soll diesen gewaltigen Transformationsprozess eigentlich führen?
Die Geschäftsführung des Klinikums blieb in den Folien erstaunlich unsichtbar. Dabei arbeitet sie intensiv mit Ministerien, Krankenkassen, Fördermittelgebern und Planungsbehörden zusammen. Davon konnten wir uns im Kreistag, in den Ausschüssen und bei Bürgerdialogen durchaus überzeugen. Gerade deshalb hätte ich mir an diesem Abend eine stärkere Einbindung gewünscht.
Denn Vertrauen entsteht nicht durch Folien. Vertrauen entsteht durch Gespräche. Durch gemeinsame Verantwortung. Durch die Bereitschaft, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen. Der Statusreport hat möglicherweise manches Misstrauen reduziert. Das ist gut. Und ich halte es für nachvollziehbar, dass nach drei vorliegenden Gutachten noch einmal genau hingesehen wurde, auch wenn dieser hohe Ausgabeposten unter den aktuellen Sparzwängen wehtut und schwer zu schlucken ist.
Doch die Menschen im Landkreis erwarten inzwischen mehr als kostenintensive Gutachten.
Sie erwarten Umsetzung.
Der Report bescheinigt uns Handlungsdruck. Dieser Einschätzung stimme ich ausdrücklich zu. Aber Handlungsdruck darf nicht in immer neuen Prüfaufträgen enden. Er muss sich in konkretem Handeln niederschlagen. Der Kreistag hat mehrfach entschieden. Fördermittel wurden beantragt. Konzepte wurden entwickelt.
Nun müssen die Verantwortlichen miteinander ins Arbeiten kommen: Landrat, Verwaltung, Geschäftsführung, Aufsichtsrat, Bürgermeister, Amtsdirektoren und Verbandsgemeinde.
Auch die Standortfrage eines Zentralklinikums wird nicht durch weitere Debatten beantwortet werden. Sondern durch Entscheidungen.
Wir sollten deshalb aufhören, darüber zu streiten, ob und woher der Sturm kam. Er ist längst da. Er lässt nicht nach. Unser Haus hat einen Sturmschaden. Das wurde an diesem Abend noch einmal bestätigt.
Aber niemand repariert ein Dach, indem er immer neue Wetterberichte bestellt. Irgendwann müssen die Handwerker aufs Gerüst. Und genau dieser Zeitpunkt ist jetzt da.
Stephanie Kammer
Transparenzhinweis:
Ich bin parteilose Kreistagsabgeordnete der Wählergruppe HerzbergZählt und Mitglied der Kreistagsfraktion CDU/HZ. Der Beitrag gibt meine persönliche Einschätzung der Kreistagssitzung vom 22. Juni
2026 wieder.
