KlunkerKabinett feiert erfolgreiche Premiere I sechs ausverkaufte Aufführungen I zweite Spielzeit im PopAnker

KLUNKERKABINETT. Ein Herzberger Maler, den niemand kennt, Donald Trump, Udo Lindenberg, der Bürgermeister und ein profitgeiler Supermarkt-Oligarch schaffen allesamt den Sprung auf die Herzberger Provinzbühne vom Raum 1 an diesem heißen Mai-Abend. Das KlunkerKabinett von uns ScHerzbergern öffnete erstmals seine Pforten. Dabei ging es um Amtszwangsjacken, um aufblühende Lust, um Friedensucher und Renditenromantiker, um Ruhmsucht und Femizid. Eine verrückt-absurde Story, die zusammengestrickt ein Schlaglicht auf einen vergessenen Herzberger Künstler werfen sollte.
Als ich im vergangenen Herbst auf das Lebenswerk des Herzberger Malers Lothar Klunker unerwartet stieß, konnte niemand ahnen, wohin diese Entdeckungsreise führen würde. Alles begann mit einer Lawine Vertrauen. Und mit einer Familie, die sich dreißig Jahre nach dem Tod des Malers öffnete und bereit war, seine Geschichte zu erzählen. Dafür bin ich bis heute so richtig dankbar.
Mit dem Theaterstück KlunkerKabinett haben wir dabei Neuland betreten. Natürlich gab es bei den ScHerzbergern schon immer spitzfindig-derben Humor, zwiebelnde Satire und nestwarmen Lokalkolorit. Wir lieben es, den Finger in die Wunde zu legen, darin zu bohren und über uns selbst zu lachen. Doch dieses Mal kam etwas Neues hinzu. Die wahre Geschichte eines längst verstorbenen Menschen. Die Geschichte eines Mannes, unbekannt und genial zugleich, der sich komplett aus der Welt zurückzog und in seinem Haus einen eigenen Bilder-Kosmos erschuf.
Für mich war die Premiere deshalb mehr als eine Aufführung. Sie fühlte sich an wie die Ankunft in einem zweiten Zuhause. Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl. Man reist an einen Ort, den man selbst entdeckt hat. Einen Ort, der zunächst fremd ist. Doch je länger man bleibt, desto richtiger fühlt er sich an. Weil der Geist wächst, das Herz hüpft und die Muse mit ungestümen Küssen die Seele zum Fliegen bringt. Denn plötzlich sind da Menschen und Geschichten, die einen verändern. Dazu die Gewissheit, all das gehört jetzt zu mir. So war es auch am Freitagabend.
Im Publikum saßen Freunde aus Polzen. Fröhlich, neugierig und quietschvergnügt. Da war Birgit Krüger, die Tochter Lothar Klunkers. Eine Verbündete, ohne die dieses Projekt nie möglich gewesen wäre. Sie hat ihrem Vater postum ein Stück jener Freiheit zurückgegeben, die er sich selbst über viele Jahre versagt hatte. Nach der Vorstellung sagte sie einen Satz, der mich echt glücklich gemacht hat: „Meinem Vater hätte das gefallen. Er hätte sich kaputt gelacht.“ Mehr kann man sich kaum wünschen.

Was ich nicht wusste, auch ihr Bruder Jürgen saß an diesem Abend im Publikum. Nach der Aufführung kamen wir ins Gespräch. Es war eine Begegnung, die lange nachwirkt. Denn mit seinen Erinnerungen öffnete sich noch einmal eine andere Perspektive auf den Vater, für den dieses Theaterstück, so der Sohn, eine posthume Genugtuung sein muss. Sichtbar wurden in Jürgen Klunkers Erzählungen vor allem die seelischen Kämpfe des Vaters. Seine Ängste. Seine Verletzlichkeit. Aber auch sein Humor. Sein Überlebenswille. Seine unerschöpfliche Kreativität.
Vielleicht war genau das der schönste Moment des Abends. Nicht die Lacher. Nicht der Applaus. Sondern das Gefühl, einem Menschen ein kleines Stück näher gekommen zu sein, den man nie kennenlernen durfte.
Die Reaktionen des Publikums waren ebenso unterschiedlich wie spannend. Einige Besucher hielten Klunkers Geschichte zunächst für erfunden. Zu ungewöhnlich erschien ihnen das Leben dieses Mannes. Immer wieder wurde gefragt, ob es eine Ausstellung geben werde.
Darauf können wir inzwischen vorsichtig mit Ja antworten. Vieles deutet darauf hin, dass im kommenden Jahr eine Werkschau im Landkreis Elbe-Elster möglich wird. Darüber freuen wir uns sehr.
In Herzberg selbst ließ sich die ursprünglich geplante Ausstellung leider nicht verwirklichen. Das Interesse war zunächst von Seiten des Bürgermeisters groß, verlor sich später aber zwischen anderen Aufgaben und Prioritäten. Schade ist das schon. Gleichzeitig gehört genau das zu den Erfahrungen, die Kulturschaffende auf dem Land immer wieder machen. Für uns war das weniger ein Hindernis als vielmehr eine Bestätigung, weiterzumachen.
Denn wir sehen jeden Abend, wie groß das Bedürfnis nach Kultur, Begegnung und echten Geschichten ist.
Wir erleben tolle Menschen aus nah und fern, die zuhören. Die lachen. Die nachdenken. Die sich berühren lassen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist ein Privileg!
Deshalb empfinden wir ScHerzberger echte Dankbarkeit für jeden Auftritt und für unser Publikum. Für die vielen Gespräche nach den Vorstellungen. Und für die enorme Nachfrage, die nie ganz fassbar wird und die immer wieder überrascht.
Darum wird das KlunkerKabinett zurückkehren. Im November beginnt eine zweite Spielzeit. Dann spielen wir im PopAnker, im Haus 2 des ehemaligen Gymnasiums. Darauf freuen wir uns sehr. Denn vielleicht hat Lothar Klunker uns am Ende etwas ganz Einfaches hinterlassen: Man muss nicht berühmt sein, um Bedeutung zu haben. Man muss nur Geschichten erzählen, die wahr sind. Und Menschen finden, die bereit sind zuzuhören.
Stephanie Kammer
Zweite Spielzeit I PopAnker
Rosa-Luxemburg-Straße 35 I Beginn: 19 Uhr
13.11.2026 + 14.11.2026
27.11.2026 + 28.11.2026
Karten in der BücherKammer
03535/248779
www.buecherkammer.de






