Wie ein Mann aus Beyern Brandenburg elektrisiert

Bernd Willes Agri-PV-Projekt kann am am Tag der Baukultur  unter die Lupe genommen werden I  30.05.2026 von 10-15 Uhr


Ein Original aus Elbe-Elster: Bernd Wille verbindet Ingenieursgeist, trockenen Humor und rastlosen Tatendrang auf ziemlich unverwechselbare Weise.
Ein Original aus Elbe-Elster: Bernd Wille verbindet Ingenieursgeist, trockenen Humor und rastlosen Tatendrang auf ziemlich unverwechselbare Weise.

Beyern. Es gibt Menschen, die betreten einen Raum. Und fünf Minuten später hat man das Gefühl, dort sei gerade ein kleiner Sturm durchgezogen. Bernd Wille ist so einer. Einer mit diesem rastlosen „Ameisen-ADHS-Naturell“. Immer unterwegs. Immer am Denken. Immer am Machen.

Während andere an Problemen Schulter zuckend vorbeigehen, zieht er schon Maßbänder aus der Tasche und baut gedanklich die Lösung zusammen.

 

Seit über zwanzig Jahren lebe ich in einem Haus, das Bernd geplant hat. Vielleicht mag ich ihn auch deshalb so. Weil dieses Haus bis heute für das aufrecht steht, was sein Erbauer ausstrahlt: Bodenständigkeit, Klarheit und diese merkwürdige Fähigkeit, aus Ideen etwas Wirkliches zu machen. Bernd gehört zu jener seltenen Sorte Mensch, die nicht lange darüber reden, warum etwas schwierig ist. Ein Mensch wie er fängt einfach an.

Und begonnen hat er oft dort, wo andere längst aufgegeben hatten.

Verwahrloste Brachen, tote Gewerbeflächen, unternutze und nutzlose Ruinen. Orte, an denen Brennnesseln bereits die Regierungsgeschäfte übernommen hatten.

Bernd Wille stellte Solarmodule darauf. Viele. Sehr viele. Wer heute durch Elbe-Elster fährt und Photovoltaik sieht, begegnet oft indirekt seiner Handschrift, seinem Fleiß. Er hat der Region damit leise, hartnäckig und ohne großes Brimborium einen gewaltigen Energieschub verpasst.

 

Ich durfte zwei Bücher von ihm veröffentlichen. Schon das war ein Erlebnis. Denn Bernd schreibt genauso, wie er spricht: direkt, eigensinnig, humorvoll und mit diesem trockenen Blick auf die DDR und die Nachwendezeit, den man erlebt haben muss, um darüber schreiben zu können. Er seziert ostdeutsche Eigentümlichkeiten wie andere Leute einen Karpfen. Mit Scharfsinn, Selbstironie und manchmal so treffsicher, dass man beim Lesen gleichzeitig lachen und schlucken muss. 

Nun steht dieser unermüdliche Tüftler aus Beyern plötzlich im Rampenlicht der landesweiten Veranstaltung in Brandenburg.

"Tag der Baukultur". Und ehrlich: Das freut mich von Herzen. Nicht, weil jemand süßlich lächelnd auf einer Bühne steht. Sondern, weil sich da einer aus eigener Kraft seinen Platz zwischen den Besten freigeräumt hat. Mit Arbeit. Mit Ideen und Beharrlichkeit.

Wer Bernd erlebt, versteht es schnell. Während andere im Ruhestand die Leistung runterfahren, speist Bernd weiter ins Netz ein.

Darum lohnt es sich zum Tag der Baukultur bei ihm vorbei zu schauen. Fragen zu stellen. Ja, und zu staunen, Was hier gewonnen wird ist nicht nur. Hier wächst dieser besondere Elbe-Elster-Spirit, der aus Pragmatismus, Erfindergeist und einer guten Portion Sturheit besteht. Und vielleicht wirft zwischen Pferdekoppel und Solarmodulen die Sonne an diesem Tag ein strahlendes Bündel Zukunft auf Beyern. Oder, wie Bernd vermutlich  sagen würde:

„Man muss es einfach machen. Vom Reden allein kommt nun mal kein Strom aus der Steckdose.“ 

 

Stephanie Kammer