3000 Stimmen erklangen in Wildenau – und Goebbels grüßte persönlich

Türchen Nr. 18 • HeimatAdventsKalender der BücherKammer

Am Gutshaus von Wildenau sammelten sich im Mai 1933 die Festbesucher
Am Gutshaus von Wildenau sammelten sich im Mai 1933 die Festbesucher

Wildenau ist ein kleines Dorf. Still, vertraut, überschaubar. Und doch stand es im Mai 1933 plötzlich im Mittelpunkt – als 3.000 Menschen kamen, um zu singen, zu feiern und ein großes Sängerfest zu erleben. Für einen Ort dieser Größe war das eine Sensation. Die Fotos zeigen Freude, Trachten, Festwagen, glänzende Augen. Ein Dorf, das stolz war, Gastgeber zu sein.

Doch in diese Fröhlichkeit mischte sich ein neuer Ton. Fahnen, die vorher niemand brauchte. Rufe, die härter klangen. Ein Telegramm aus Berlin, gezeichnet von Goebbels, das großen Beifall bekam. Und das Horst-Wessel-Lied, das nun Teil von jeder öffentlichen Feierlichkeit war.

 

Rückblickend sieht man: Das Fest war beides – ein Höhepunkt für Wildenau und ein Tag, an dem Politik begann, Kultur und Tradition für seine eigenen zweifelhaften Zwecke zu nutzen. Ein Moment, in dem ein kleines Dorf Teil eines großen Niedergangs wurde. Ein Niedergang, der sich als Sieg verkleidet hatte. Dazu ein Ufa-Film. Und die Erinnerung: 3000 Stimmen, ein winziges Dorf – und Lieder, die plötzlich anders klangen.

Wer singt, sollte wissen, wessen Töne mitschwingen. Und wer zurückschaut, erkennt, wie still Umbrüche sind, wenn Unheil die Bühne betritt.

 

Die ganze Spurensuche von Susan Wachinger, Lothar Wurm und Lothar Köhler findet sich im neuen Heimatkalender.

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