Schlaumierchen packt an Weihnachten aus

Himmlische Tricks und irdische Wahrheiten im HeimatAdventsKalender Türchen Nr. 24


Liebe Weihnachtschristen, liebe Fest-Zyniker und liebe Freunde missverstandener Offenherzigkeit! Wir rufen: Keine Panik – wir kriegen Weihnachten auch nur mit Faden, Flickwerk und Frechheit hin. Frohes Fest, ihr liebenswerten Chaoten.
Liebe Weihnachtschristen, liebe Fest-Zyniker und liebe Freunde missverstandener Offenherzigkeit! Wir rufen: Keine Panik – wir kriegen Weihnachten auch nur mit Faden, Flickwerk und Frechheit hin. Frohes Fest, ihr liebenswerten Chaoten.

Gestattest du? Ich bin das Englein Schlaumierchen aus der Weihnachtsgeschichte. Du erinnerst dich bestimmt. Ich hatte damals den Hirten verkündet, dass ein Kind geboren ist und mit ihm die Hoffnung. Hoffnung für diese durchgeknallte Welt! Die Hirten fingen gleich an zu streiten: „Wir sind doch eh‘ zum Untergang verdammt!“, sagte der Erste. Die anderen beiden waren nicht besser. „Hau ab, es hat sich noch nie jemand ehrlich für uns interessiert!“, bellte der kleine Hinkende heiser. Der Dritte griff nach meinen Flügeln:

„Gerupft und über dem Feuer gegrillt, schmeckt das Federvieh bestimmt wie ein Hühnchen“.

 

Ich habe mich ernsthaft gefragt, warum der liebe Gott immer mir die undankbarsten Aufgaben verpasst. Ich verstand nicht, wieso er diese ehrenlose Menschensippe liebt. Hätte er mich um Rat gefragt, so hätte ich ihm empfohlen, sie geradewegs ins Verderben rennen zu lassen. Aber Gott ist dickköpfig, und er hat seinen eigenen Plan. Dabei denkt er nie daran, dass ich nicht so stark bin wie er. Weißt du, ich verrate dir jetzt ein Geheimnis. Ich habe die Hirten nur überreden können, mit zum Stall zu kommen - wie es die Vorhersehung verlangt - indem ich ihnen versprochen habe, ein wenig Goldglitzer von meinem Gewand in ihre Geldbeutel zu schütteln. Sie jubelten dann, dass die Heilige Nacht nun doch noch ein gutes Ende nimmt:

„Wir saufen uns dieses Kack-Leben schön“,

 

stimmten sie gleich ihr Hirtentrinklied an, und ich beschloss endgültig, den Job beim Herrn hinzuwerfen und in Elbe-Elster Kasperengel im Puppentheater zu werden. 

 

Weißt du, es ist nämlich zauberhaft, in lachende und strahlende Gesichter zu blicken. Erst von der Bühne aus erkannte ich, dass die Menschen schön sind. Dass sie gute Seiten haben. Dass sie sich öffnen, wenn ich sie zum Lachen bringe und ich ihre Herzen sanft berühren darf. Schon verrückt, dass ich erst nach der Kündigung als Himmelsbote verstanden habe, warum er die Menschen eigentlich liebt. Weil sie es manchmal auch ganz schön schwer haben. Das Leben - mein alter Chef würde jetzt wieder alles auf den Teufel schieben - wirft die Menschenkinder oft brutal zu Boden und im nächsten Moment mit gleichem Schwung kopfüber auf den Mond. Niemand versteht das! Doch alle müssen durch. Irgendwie! Manche verlieren jeden Glauben und werden ganz bitter und verbiestert. Andere schlagen sich stark, mutig und aufrecht durch. 

 

Und zu denen zählst auch du. Ich bin heute zu dir geflogen, um dir genau das zu sagen. Schau dich gern mal im Spiegel an und schenke dir ein Lächeln. Sei mal ruhig richtig stolz auf dich! Denn du bist warmherzig, klug und fleißig. Du weißt ja, ich war der Kurierdienst der Hoffnung, bevor ich den himmlischen Job hingeschmissen habe.

Ein bisschen umgibt mich davon noch immer. Ich schenke sie dir hiermit, die Hoffnung. 

Du hast sie mehr als verdient!

 

Frohe Weihnachten von deinem Schlaumierchen 

 

Stephanie Kammer