Türchen Nr. 7 • HeimatAdventsKalender der BücherKammer

Wenn Regina Nauck, unsere „Miss Marple des Elsterlandes“, in alten Kirchenchroniken blättert, bleibt kein Geheimnis heilig oder verborgen. Diesmal stößt sie auf ein Dokument, das selbst sie kurz sprachlos macht: Pfarrer Holzhausen, Züllsdorf 1947, notiert mit schwerer Feder: „Ist Christus für Züllsdorf vergeblich gestorben?“ Ein Satz wie ein Donnerschlag.
Man sieht Holzhausen förmlich vor sich, wie er den Federhalter absetzt, die Stirn reibt und tief seufzt. Vielleicht dachte er an zu volle Kneipen, an den Bauern, der zwei Frauen hatte und an den Lehrer, der auf allen Seiten spielte.
Heute, fast achtzig Jahre später, kann man in Züllsdorf darüber gelassen schmunzeln. Das Gemeindeleben blüht, die Kirche ist schön wie nie. Dank fleißiger Hände und zackiger Köpfe wird gesungen, gefeiert und dem beschwingten Läuten der Glocken zugehört.
Pfarrer Holzhausens Weckruf war wohl eine Standpauke, um die niemand gebeten hatte – und doch ein echter Herzschlag des Lebens. Die Wahrheit sagt man sich selten selbst, man bekommt sie gesagt. Entscheidend ist, was man danach anders macht. Und dafür, das darf man ruhig sagen, hätte sich Züllsdorf mindestens eine kleine Seligsprechung verdient.
Manchmal steckt im Tadel Segen. Wer hinhört, wächst – sogar über sich hinaus.
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