Türchen Nr. 6 • HeimatAdventsKalender der BücherKammer

Der Herzberger Grafiker Lothar Klunker blieb, als andere gingen. Sein Sohn aus erster Ehe, ein Musiker, floh 1975 in einem Schlauchboot in den Westen – ein spektakulärer Aufbruch, der für die Familie ein Nachspiel hatte. Wer blieb, bekam massiven Druck zu spüren: Karrieren versandeten, Türen blieben geschlossen. Auch Lothar bekam das zu spüren.
Er redete nicht darüber. Stattdessen zog er sich zurück, verließ zehn Jahre lang nicht mehr sein Haus in der Feldstraße in Herzberg. Er war kein Akademiker, kein Atelierstipendiat – sondern ein eigensinniger Schöpfer, der die selbst verordnete Inhaftierung seine Bildsprache zu einem Klunker-Kosmos werden ließ.
Der in Herzberg ausgebildete Künstler malte, während draußen die Stasiakten wuchsen und andere im Korsett der Staatskunst zu atmen verlernten. Er schuf Bilder, die kein Auftraggeber je bestellt hatte. Er schuf absurde kraftvolle Figuren mit Bruchstellen. Gesichter, die nicht gefallen wollten, sondern menschliche Abgründe und Absurditäten zeigten. Kunst als Selbstbehauptung, als Freiheit im Rückzug.
Sein Werk blieb verborgen, vergessen in Kisten und stillen Zimmern, bis man es Jahrzehnte nach seinem Tod wiederfand. Jetzt zeigt sich, was lange im Schatten lag: Ein Künstler, der Herzberg prägen wird – still, aber deutlich.
Der störrische Surrealist wartet nicht auf Applaus. Er wartet auf Blicke, die ihn endlich sehen. Vielleicht ein Salvadore Dalí aus Herzberg.
Im Verborgenen liegt Reichtum. Dazu zählt Kunst, die uns den Spiegel hinhält und zeigt, woher wir kommen, wer wir sind und wohin wir gehen können.
Der Heimatkalender 2026 zeigt eine kleine Werkschau des Herzberger Grafikers und erzählt die Entdeckungsgeschichte des Jahres 2025.
Dein Kalender. Dein Stück Heimat.
Zum Behalten und Weitergeben.
Jetzt erhältlich in der BücherKammer oder in unserem Onlineshop.
