"Bei Männern, welche Liebe fühlen, fehlt auch ein gutes Herze nicht"

"Die Zauberflöte" in der BücherKammer - magisch schön und voller tiefer Einblicke ins Zwischenmenschliche  

Herzberg. Es hätten gut und gerne zwanzig Gäste mehr im Publikum Platz genommen. Denn bereits zum vierten Mal infolge war die Aufführung in der BücherKammer zum Puppenthaterfestival ausverkauft. Puppentheater ist wieder gefragt in Elbe-Elster und fest etabliert. Es zieht Menschen mit Phantasie, Herz und Geist magisch an. Wer dabei sein möchte, weiß, dass er schnell sein muss. Selbst aus Torgau und Potsdam reisen Besucher an, um den Bühnen-Marathon miterleben zu können. 

 

In diesem Jahr gastierte in der BücherKammer das Figurentheater Weidringer aus Erfurt. Das Künstlerpaar inszenierte Mozarts bekannte Oper passgenau für die ganz kleine Bühne. Nur hier ist der Zuschauer dicht am Bühnenspiel dran. Grenzen verschwimmen. Der Geschichtenzauber berührt und verführt insbesondere dann, wenn das künstlerische Spiel von persönlichem Esprit und Fingerspitzengefühl begleitet wird.

 

Christiane Weidringer verstand es, die ernsten Töne der Zauberflöte mit witzigen und warmen Einflechtungen zu ummanteln. Papageno sei als Beispiel für einen ganz herzigen Charakter genannt, der es menscheln ließ. Mit kleinen Lastern wie seiner fröhlichen Geschwätzigkeit und seiner herzerwärmenden Verfressenheit spielte er sich direkt in die Zuschauerherzen. Drei Vögel steuerten der Liebesgeschichte um Tamino und Tamina Witz und Weisheit bei. Viel Zwischenmenschliches gab so der "Zauberflöte" einen unterhaltsamen, lässigen Klang. Dazu umgarnten Mozarts herrliche Arien die Zuschauerohren. Ebenso die wunderbaren Worte aus der Feder des Autors Emanuel Schikaneder. Hier sprach der Lebensphilosoph: "Bei Männern, welche Liebe fühlen, fehlt auch ein gutes Herze nicht". Eine ausgesprochen reichhaltige Inszenierung, bei der Licht- und Toneinspielungen perfekt funktionierten. Etwas sonderbar muteten Sarastros Auftritte an. Sie erinnerten ein wenig an Star Wars und Darth Vader. Der wohlwollende Betrachter verbuchte diese kleine Auffälligkeit jedoch unter Experimentierfreude und, nennen wir es, Zeitgeist. 

Maria Lieschke, eine echte Freundin der Kleinbühnenkunst, nannte den Abend einen Genuss. Das Lob gilt der Puppenspielerin Christiane Weidringer und ihrem Gatten.  Hoffentlich sind beide bald wieder zu Gast, wenn sich der Vorhang öffnet und die Puppen den Menschen die Welt erklären.     

 

Die Veranstaltung wurde ermöglicht dank der Unterstützung des Landkreises Elbe-Elster und der Sparkassenstifung Elbe-Elster

Stephanie Kammer